BusinessCase Hundeunternehmen

Du hast einen Hundeberuf und möchtest dein Unternehmen rocken? Lass fallen, was auch immer du gerade tust, lies diesen Blog, geh dann wieder an die Arbeit und lass es krachen.

003 Hundetrainer sein oder nicht sein. Vom Vakuum zwischen Ausbildung und Unternehmensgründung I

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Absolventen des Medizinstudiums arbeiten im Anschluss als Ärzte, Absolventen der Wirtschaftsuniversität als Betriebswirte und Absolventen der pädagogischen Akademie als Lehrer. Man sollte meinen, dass die zahlreichen Hundetrainerausbildungen am Markt Absolventen generieren, die den Beruf des Hundetrainers im Anschluss ausüben. Das ist offenbar nicht so. Den Schritt der Unternehmensgründung wagen etwa nur die Hälfte der Absolventen. Viele trauen sich nicht. Schade eigentlich. Hier sind Fragen, die man sich im Vakuum zwischen abgeschlossener Ausbildung und der Betreuung der ersten Kunden stellen sollte.


?) Wer bist Du? Was hat mir als Kind Spaß gemacht? Welche Arbeit würdest Du machen, auch wenn Du nicht dafür bezahlt werden würdest? Was kann ich wirklich gut?

… für Menschen, denen bei diesen Fragen nichts einfällt
Ruf Deine Mutter an. Jetzt gleich. Frag sie, was Du gut kannst und womit Du Dich als Kind beschäftigt hast.

Das sind die wichtigsten Fragen, die Du Dir vor der Gründung stellen solltest. Denk dabei nicht zu geschäftsmäßig, alles zählt: Du bist wirklich gut darin, mit „schwierigen“ Menschen am Arbeitsplatz klar zu kommen? Du hast schon oft gehört, dass Du sehr gut bist, Beziehungen über viele Jahre und über große Entfernungen aufrecht zu erhalten? All das sind Fähigkeiten, die Du als Unternehmerin mehr brauchst denn als Angestellte.

Du hast schon als Kind mit großer Hingabe die Spinnen versorgt, denen Dein Bruder die Beine ausgerissen hat? Dann ist Tierärztin oder Tierarzthelferin vielleicht Deine Berufung. Wenn Du im Grundschulalter allen verfügbaren Tieren schon Tricks beigebracht hast, dann passt das mit der Idee vom Hundetrainer? Falsch. Das hat die Laufbahn als Hundefriseur, Shopinhaber, Tierpfleger im Zoo oder Hundesitter vorgezeichnet, denn in diesen Berufen arbeitest Du direkt am Tier. Wenn Du immer schon großen Spaß dabei hattest, Menschen etwas beizubringen – als Gruppenleiter in der Pfadfindergruppe, als Nachhilfelehrer oder als Reitlehrerin -, dann ist das Hundetrainer-Dasein vielleicht Dein Ding.

Wenn Du herausgefunden hast, was Dir wirklich Spaß macht und was Du wirklich gut kannst, dann solltest Du beginnen, Dein Leben mehr rund um diese Erkenntnis zu bauen. Frag Dich nicht: Kann ich das gut genug? (… Du wirst noch dazulernen.) Kann ich davon Vollzeit leben? (… das wird am Anfang ziemlich sicher nicht notwendig sein.) Fang einfach an, jenen Bereichen Deines Lebens mehr Raum zu geben, die Dir wirklich Spaß machen! Dafür gibt es unzählige Wege für hundebegeisterte Menschen: beruflich und im Ehrenamt. Du kannst einer Rettungshundestaffel beitreten und Deinen bisherigen Beruf weiterhin unverändert ausüben. Oder Du kannst Dich ehrenamtlich im Tierschutz engagieren, etwa eine Patenschaft für einen Hund übernehmen und seine Lebensqualität verbessern. Oder Du kannst ein Gewerbe als Hundeunternehmer aufmachen, dem Du fix einen Abend wochentags und den Samstag widmen wirst. Dann kann man sehen was draus wird – vorerst erhöhst Du Deine eigene Lebensqualität, indem Du dem mehr Raum gibst, was Dir Spaß macht.

Kein Start ist zu klein. Wenn Du jetzt mit einer Ausbildung, aber ansonsten leeren Händen da stehst, vergleiche Dich nicht mit den Hundeunternehmen in Deinem Umkreis, die 15 Jahre Vorsprung haben. Vergleiche Dich schon gar nicht mit TV-Hundetrainern und deren Unternehmen. Fast alle haben klein angefangen, kaum jemand hat das Startkapital für eine 10 Hektar große Trainingsanlage mit zwei Hallen und einem Hundepool drauf.

Sich vor potenziellen Konkurrenten zu Tode zu fürchten, sodass man gar nicht erst ein Gewerbe aufmacht, ist die schlechteste aller Alternativen.

Viel sinnvoller ist…

?) Wie kann ich nützlich sein für die Hunde am Planeten mit dem, was ich gerne tue?
Wenn Du mit der Tätigkeit als Hundetrainer liebäugelst, muss die Frage sogar so lauten: Wie kann ich nützlich sein für Menschen mit dem, was ich gern tue. Es gibt unzählige militante Tierschützer in der Branche, die ihre Kunden zurechtstutzen, weil sie ihren Hund um eine halbe Stunde länger allein lassen müssen, als sie persönlich für angemessen halten, weil sie eine Leine verwenden, die ihrer Meinung nach um einen Meter zu kurz ist oder der Hund nicht gebarft wird, obwohl sie das für die einzig wahre Ernährungsform halten.

Nicht Hunde sind Deine Kunden, sondern Menschen – und wenn die sich nicht wohl fühlen mit Deiner Beratung, dann kannst Du nicht jene Vertrauensbasis aufbauen, die notwendig ist, wenn Du für diesen Hund wirklich etwas verändern möchtest.

Wenn Du über berufstätige Hundehalter (die sich aber sehr bemühen, den Hund nicht länger als sechs Stunden allein zu lassen und den Rest des Tages mit ihm als Qualitätszeit zu verbringen) schlecht denkst, dann wird das die Kundenbeziehung prägen. Wenn Du der Meinung bist, Menschen mit Baby oder Menschen mit Behinderung sollten überhaupt keinen Hund haben, weil wie ihm eh niemals so gerecht werden können, wie Du Deinen eigenen Hunden gerecht wirst, dann wird diese Haltung der Beziehung mit solchen Kunden schaden, egal wie sehr Du Dich bemühst, korrekt und freundlich zu sein. Unterschwellig vermittelst Du eine von-oben-herab-Haltung an den Kunden, mit der Du nicht nützlich sein kannst für diese Menschen. Dein Platz in der Welt sollte nicht als Hundetrainer sein. Dein Platz sollte im Tierschutz oder anderen Bereichen sein, wo Du direkt am Tier und nicht indirekt über den Umweg Mensch am Tier arbeitest.

Missionare ungeeignet
Als Hundetrainer ist es wichtig, dass Du verstehst, dass Hund extrem anpassungsfähig sind. Es gibt unzählige Arten von guter Hundehaltung, und nicht nur die eine, die Du für Deine Hunde gewählt hast. Damit man nicht gleich in den ersten drei Unternehmerjahren als Trainer ins Burnout rutscht, braucht man eine breite Perspektive auf die vielen Möglichkeiten guter Hundehaltung. Behalte dabei den Blick stark am Individuum: Selbstverständlich gibt es Hunde, die mit einer allein-Zeit von drei Stunden schlecht klar kommen. Andererseits gibt es aber auch viele Hunde, die sich pudelwohl fühlen, wenn sie drei bis sechs Stunden allein gelassen werden. Für den einen oder anderen Hund sind wiederholte innereuropäische Flugreisen die reinste Nervenprobe, während ein anderer Hund lieber fliegt als Auto fährt. Wenn Du einen Kunden hast, der von seinem individuellen Hund Dinge als selbstverständlich voraussetzt, die der Hund nicht leisten kann, ist Deine erste Aufgabe, den Hund durch Training auf die Erwartung vorzubereiten (für den Menschen nützlich sein). Es ist nicht Deine Aufgabe, dem Menschen einen Lebensstil vorzugeben oder für ihn Trainingsziele zu definieren. Es ist Deine Aufgabe, die Trainingsziele, mit der der Mensch zu Dir kommt, mit ihm gemeinsam umzusetzen. Es reicht nicht aus, einem Menschen zu erklären, warum Hunde bei Begrüßungen hochspringen. Als Trainer musst Du dieses Verhalten auch verändern können – ethisch, effizient und nachhaltig.

Nur wenn die Erwartung Deines Kunden außerhalb des Tierschutzgesetzes (Hund soll mit einem Gassigang pro Tag auskommen), des Machbaren (Hund soll seinen Kot bitte in Zukunft selbst aufsammeln, die Tüte verknoten und entsorgen) liegt oder jeden bzw. den individuellen Hund in seiner körperlichen oder seelischen Gesundheit gefährdet (Hund soll seinen eigenen Kot fressen, damit der Besitzer ihn nicht eintüten muss), nur dann solltest Du mitreden bei der Wahl der Trainingsziele. Dann ist Deine schwierige Aufgabe, die richtigen Worte zu finden, damit Dein Kunde diese Information gut annehmen kann.

Was macht einen zu einem guten Hundetrainer? Die tiefe Liebe zum Menschen. Wer die nicht empfindet, wird als Hundetrainer keine innere Erfüllung finden.

Vorwürfe oder Schuldzuweisungen sind Kunden gegenüber immer fehl am Platz. Je länger ich meinen Job mache, desto öfter werde ich in meiner Meinung bestätigt, dass die allerwenigsten Hundehalter Blödsinn machen bei der Erziehung, Ernährung und Gesunderhaltung ihres Hundes, weil ihnen ihr Hund egal ist. Fast immer sind die Leute uninformiert oder falsch informiert. Sie wollen das Beste für ihren Hund und hatten schlechte Berater oder keinen Zugang zu Information, wie ich ihn habe. Ein Zitat von Prof. Dr. Susan Friedman von der University of Utah hilft mir bei dieser Haltung: „Diese Person ist ich mit weniger Information.“

Vorwürfe und Schuldzuweisungen machen ein Beratungsgespräch für den Kunden emotional zu einem unangenehmen Erlebnis, selbst wenn der Trainingsfortschritt top sein sollte. Das ist schlecht für Dich. Deine Person ist für den Kunden untrennbar mit dem unangenehmen Gefühl verbunden. Auch über dem krassesten Aggressionsfall dürfen Trainer niemals vergessen: Wir befinden uns in der Freizeitindustrie. Wer bezahlt mittelfristig Geld für Freizeitgestaltung mit bad vibrations? Ich persönlich gehe noch weiter und sage: Wenn ich dem Kunden mit dem verkorkstesten Hund ever den Spaß an der Tierhaltung nicht zurückgeben kann, dann sollte ich mir einen anderen Job suchen. Wer etwas anderes tun will oder muss, als Freude zu teilen, der ist als Hundetrainer völlig fehlplatziert.

Frag Dich jeden Morgen nach dem Aufstehen: Und wie kann ich heute meine Freude an der Tierhaltung mit mehr und mehr Menschen teilen?

?) Mit wem kann ich heute meine Freude an der Tierhaltung teilen?
… oder anders gesagt: Wie kommst Du an Deine ersten zehn Kunden. Damit befassen wir uns in einem anderen Blogpost.

Bis zum nächsten Mal bei Business Case Hundeunternehmer. Lass liegen, was auch immer du gerade tust, lies diesen Blog, geh dann wieder an die Arbeit und lass es krachen.

Weiterlesen: Was Du als erstes tun solltest, nachdem Du Dein Abschlusszeugnis als Hundetrainerin erhalten hast. Vom Vakuum zwischen Ausbildung und Unternehmensgründung II (demnächst) / Was Du Sinnvolles mit Deiner Trainerausbildung anfangen kannst, wenn Du kein Trainer sein willst. (demnächst)

Nächsten Monat: 004 Was Hundetrainer von TV-Trainern lernen können (Passwort wird am Monatsersten an alle Insider verschickt)



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