BusinessCase Hundeunternehmen

Du hast einen Hundeberuf und möchtest dein Unternehmen rocken? Lass fallen, was auch immer du gerade tust, lies diesen Blog, geh dann wieder an die Arbeit und lass es krachen.

002 Wie man konstruktiv mit Konkurrenz umgeht

Hundetrainer sind wie Disteln - unter Kollegen zumindest

By on

„In der gewaltfreien Trainerszene gönnt man dem andern noch nicht mal die Luft zum Atmen,“ sagt eine angehende Trainerin zu mir. Sie fühlt sich wie vor dem Sprung in ein Haifischbecken. Sind Tiertrainer wirklich so – saftigstes Gras für die Tiere und fieseste Distel für Kollegen? Ist eine solche Haltung vereinbar mit dem obersten Ziel, das Wohl unserer Haustiere zu fördern, wo es nur geht – durch bestmögliche medizinische, pflegerische und ernährungstechnische Versorgung und bestmögliches Training zur Vorbereitung auf unsere menschenzentrierte Welt? Wenn man sich gegenseitig jeden Facebook-Like und jede Seminarbuchung neidig ist, wie steht es dann mit dem trainerischen Austausch? Vier innere Haltungen zum Thema Konkurrenz, auf die ich bei meiner Recherche gestoßen bin – und Gedanken dazu.

Mindset #1: „Ich scher mich einen Teufel um meine Konkurrenz. Ich kümmer mich lieber um meine Kunden. Die sind für mich das Wichtigste und das Maß aller Dinge.“ 

Das Schönste an dieser Einstellung ist, dass man keine einzige Lebensminute damit verschwendet rauszufinden, was die Konkurrenz über einen denkt oder gerade entwickelt. Man muss sich nicht drüber ärgern, wenn wieder mal ein Kollege etwas klaut und für seins ausgibt, von dem man meint, es wäre das Eigentum von jemand anderem: eine Trainingsidee, der Text einer Seminarbeschreibung, eine Geschäftsidee.

Man lebt mit dem Risiko, dass ein Konkurrent eine durchschlagende Idee hat – entweder eine trainerische oder eine unternehmerische – und man erst erfährt, wenn schon zahlreiche andere Trainer, auch welche in der eigenen Umgebung, auf dieser Welle mitsurfen. Welches Mindset könnte helfen, den Finger am Puls der Zeit nicht aufzugeben?

Mindset #2: „Konkurrenz im Sinne von Gegenspieler sind für mich nur jene Personen, die traditionell trainieren*. Die will ich am unternehmerischen Spielfeld in die Pfanne hauen. Gewaltfreie Trainer seh ich als geschätzte Kollegen, denen ich jeden Kunden und jeden Cent verdientes Geld so gönne, wie sie es mir hoffentlich auch gönnen.“

Es gibt WIR und DIE, Insider und Outsider.

Die Einstellung ist ein ländlichen, dünn besiedelten Gebieten bestimmt etwas, das man sich dauerhaft leisten kann: Wer der einzige gewaltfreie Trainer im 70 km Umkreis ist, bedient die gewaltfreie Nische ganz allein. Alle Konkurrenten sind Outsider.

In Ballungszentren sprießen seit wenigen Jahren gewaltfreie Hunde(trainer)-Startups wie die Pilze im Wald im August. Hier gibt es viele Outsider und viele Insider. Am stärksten davon betroffen ist die Dienstleistung „mobile Verhaltensberatung“, da es dafür so gut wie keine Markteintrittsbarriere gibt. Im Gegensatz zum Lebensmitteleinzelhandel klappt das Überleben in der Realität mit diesem Mindset für Hundetrainer recht gut, weil der Markt folgende Besonderheiten hat:

  • Zum Glück wächst die Hundedichte in den meisten Großstädten ebenso, genau wie der Trainingsbedarf bedingt durch den Höhenflug des Auslandstierschutzes. So sind wir derzeit in der Position, dass sich gewaltfreie Trainer die Kunden aufteilen können und ausgelastet sind, ohne sich darüber die Schädel einschlagen zu müssen. Einen Blick in die Zukunft werfen wir ein andermal.
  • Hundetrainer sind fast immer Ein-Personen-Unternehmen mit null Mitarbeitern. Ganz allein für etwas einzustehen ist gegen das menschliche Naturell. Die meisten von uns fühlen sich wohler, sich in irgendeiner Form zusammenzuschließen: in einem Berufsverband, einer Trainergemeinschaft, unter einem gemeinsamen gewaltfreien Logo. Außerdem ist ein reger Austausch unter Trainern enorm wichtig für die eigene fachliche Weiterentwicklung: mehrtägige Seminare und viele Facebook-Gruppen erfüllen diese Funktion. In einer zukünftigen Welt (für den deutschen Raum, denn in den USA oder Großbritannien ist diese Welt bereits jetzt Wirklichkeit), in der gewaltfreie Hundetrainer sich weiter professionalisiert haben, werden Hundeschulen mehrere Mitarbeiter haben und zu GmbHs oder sogar AGs ausgebaut werden. Dann können die sozialen und fachlichen Bedürfnisse der einzelnen innerhalb des Unternehmens gedeckt werden.

What the heck…? Markteintrittsbarriere
Das sind all jene Hindernisse, die man überwinden muss, um ein Unternehmen am Markt aufstellen zu können. Für Tierärztinnen ist das ein mehrjähriges Studium, das sowohl Zeit, als auch Geld kostet, plus die Kosten für die Immobilie (man kann ja nicht unter freiem Himmel Tiere operieren) und die gesamte Einrichtung vom Röntgenapparat bis zum Auto für Hausbesuche. Für Tiertrainer wurde vor kurzem in Deutschland eine Markteintrittsbarriere geschaffen: die Prüfung zu §11.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mich niemals werde von diesem Mindset verabschieden werde können, selbst dann nicht, sollte der Markt eines Tages gesättigt sein und ich mein kleines Imperium 😉 mit 100 Mitarbeitern haben. Für mich ist jede ernstzunehmende Konkurrentin jemand, von dem ich lernen kann: über Trainingsideen genau wie über unternehmerische Entscheidungen. Ich liebe einfach den Austausch! (…sonst würde ich diesen Blog nicht schreiben.)

Mindset #3: „Jede Konkurrenz bedeutet, dass ich weniger Kunden habe und somit Umsatz an andere verschenkt habe. Mit unserer Trainerausbildung / meinen Seminarprogrammen ist der gesamte deutsche Raum unser Markt, somit nehme ich auch eine 1000 km entfernte Trainerin als Konkurrenz wahr.“

Der größte Nachteil dieser Einstellung ist, dass Trainer, die so denken, ziemlich sicher weniger Austausch über Ihre Trainingsideen betreiben, als nicht so stark Kennzahlen-orientierte Trainer. Mit der Zeit lebt man seine Einstellung – und trägt sich zumindest unterschwellig auch nach außen.

Wer seine Trainingsideen nicht teilen mag, oder zumindest nicht vor der Veröffentlichung seines Buches oder vor der Premiere seines Seminarprogramms, läuft Gefahr, dass es Schwachstellen enthält, die im kollegialen Austausch vor Publikation hätten behoben werden können.

Menschen mit Mindset #3 werden wohl auch nicht besonders häufig von Kollegen ausgewählt für den Diskurs von deren Ideen. Man läuft Gefahr, nicht mehr mitten im trainerischen Ideenpool zu sein, sondern außerhalb davon. Weg vom Fenster, wie man bei uns sagt. Wenn man merkt, dass man in diesem Mindset lebt und es loswerden möchte, was kann helfen, um wieder offener zu werden?

Mindset #4: „Gesunde Konkurrenz ist auch für mein Unternehmen gut und nicht gefährlich. Für meine Kunden ist die Apotheke, bei der sie ihre verschriebenen Herztabletten jede Woche abholen, austauschbar. Wir jedoch sind in einem beratenden Beruf, und bin ich als Trainerin (Tierärztin etc.) mit meinem individuellen Wissen und meiner individuellen Persönlichkeit für meine Kunden nicht austauschbar, oder zumindest nicht so leicht.“

Mit dieser Einstellung führt zu einer entspannten Einstellung gegenüber Konkurrenten, auch solchen direkt vor Deiner Nase. Oberflächlich betrachtet bietet Ihr alle „denselben“ Welpenkurs. Tatsächlich legt jeder Wert auf etwas andere Inhalte. Und sollten sie doch identisch sein – die Persönlichkeit entscheidet, ob und wie die Inhalte beim Kunden ankommen.

  1. Ein und derselbe Hunde-Unternehmer kann in der Beraterlandschaft nicht für 100% der Kunden „passen“. Klar gibt‘s Menschen, die können sich besser aufs Individuum einstellen und „passen“ für 80%, andere können das weniger gut und „passen“ für 60%. Jeder kann durch Menschentrainings- und Gesprächsführungsseminare lernen, sein Wissen für mehr Menschen passend rüber zu bringen, als er es derzeit tut – aber 100% ist ein utopisches Ziel. Jene Kunden, mit denen es nicht so gut „passt“, dürfen ruhig zu Kollegen gehen und dort glücklich werden. Solange der Hundeunternehmer-Sektor bei Mikrounternehmen bleibt, bringen inter-betriebliche Kooperationen für Unternehmer und Kunden Vorteile. Der eine Hundefriseur spezialisiert sich auf Trimmrassen, der nächste auf Ausstellungsschuren und noch einer auf Behavioral Grooming. Alle drei können in derselben Stadt gut überleben und sich gegenseitig Kunden schicken für jene Bereiche, die für sie weniger im Fokus stehen. Der Kunde ist zufrieden mit beiden Unternehmen – dem referierenden Unternehmen für den tollen Tipp und dem durchführenden Unternehmen für die schicke Hundefrisur. Das Image beider Unternehmen für die jeweilige Spezialisierung steigt.
  2. Apple hat nicht 100% des Marktes für Mobiltelefone. Apple ist nicht einmal Weltarktführer bei Mobiltelefonen! Trotzdem ist es das Unternehmen mit den größten Margen und macht damit mehr als passablen Gewinn.

Mit diesen beiden Beispielen will ich sagen:

Es ist nicht notwendig, dass du 100% Marktanteil in deiner Nische hast, um erfolgreich zu sein, um einen vollen Kühlschrank zu haben und um glücklich zu sein in deinem Job.

Folglich ist es auch nicht notwendig, einem anderen Hundeunternehmer irgendetwas zu missgönnen. Der Markt ist so riesengroß.

Wenn Trainer nicht miteinander reden, ist es schlecht bestellt um den trainerischen Ideenpool: Bahnbrechende Ideen verbreiten sich nicht oder zu langsam, wenn man sie nicht in Massenmedien wie kostenlosen Youtube-Clips, online- und Printmedien einem breiten Publikum vorstellt, sondern gewinnmaximiert nur bei live-Seminaren erklärt.

Wie kann man sich selbst aus dem nicht ganz so gewaltfreien Rennen in der deutschen gewaltfreien Szene nehmen, um wieder den Kopf frei zu haben für das, was zählt? Ein Alltagsbeispiel…

Vor kurzem hat eine neue Hundeschule direkt vor meiner Nase aufgemacht. Ich fahre jeden Tag mindestens zweimal an ihr vorbei. Mehrfach wurde ich von Kolleginnen gefragt, ob mich das sehr wurmt, dass die sich für „meinen“ Standort entschieden haben (Link zu was mich wirklich wurmt). Ich bin dann eher irritiert – denn erstens hab ich kein Monopolrecht in dem Ort und zweitens passen solche Gedanken nicht in mein Mindset. Vorgestern habe ich einen Brief mit einer Wäscheklammer auf Ihr Eingangstor geheftet: „Liebe Kolleg/innen, herzlich willkommen bei uns im Ort! Wir kennen uns bisher leider nicht persönlich, aber ich hoffe, wir haben bald eine Gelegenheit dazu. Ich wünsche Ihnen das aller Beste für Ihren Start mit Ihrem Unternehmen und bin sicher, Sie werden sich hier wohlfühlen. Mit einem lieben Gruß,…“ – und ich meine jeden Ton davon und freue mich wirklich aufs Kennenlernen und den frischen Wind.

Welt-verändern – erst in deinem Kopf mit der ThinkBox und dann außerhalb deines Kopfes mit der ActionBox. Lass fallen, was auch immer du gerade tust, lies diesen Blog, geh dann wieder an die Arbeit und lass es krachen.

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Beim nächsten Mal: 003 Hundetrainer sein oder nicht sein. Vom Vakuum zwischen Ausbildung und Unternehmensgründung I (nur für Insider das Passwort wird am Monatsersten verschickt und geht an alle, die sich bis dahin angemeldet haben)



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